September 2026
Warum feiern wir eigentlich jeden Sonntag Gottesdienst?
Reicht es nicht, einmal zu hören, dass Gott uns liebt? Reicht es nicht, einmal den Segen zu empfangen oder einmal zu beten?

Ich glaube: Nein. Nicht, weil wir vergesslich wären, sondern weil wir lebendig sind.
Denken wir an ein Kind. Wer würde zu ihm nur ein einziges Mal sagen: „Ich liebe Dich“? Wer würde es einmal in den Arm nehmen und ihm sagen: „Du bist mir wichtig“ – und dann nie wieder? Eine Umarmung, die vor zwanzig Jahren geschehen ist, kann kostbar sein. Aber sie ersetzt nicht die Nähe, die heute geschenkt wird. Liebe lebt davon, dass sie sich immer wieder schenkt. Sie wiederholt sich nicht einfach – sie erneuert sich. Und indem sie sich schenkt, verändert sie zugleich den Menschen, dem sie begegnet.
So ist es auch mit Gott. Seine Liebe ist keine Information, die wir einmal erhalten und dann besitzen. Sie ist eine lebendige Beziehung. Darum hören wir immer wieder dieselben Worte: „Fürchte Dich nicht.“ – „Ich bin bei Dir.“ – „Du bist mein geliebtes Kind.“ – „Du bist nicht allein.“
Es sind dieselben Worte, und doch hören wir sie nie auf dieselbe Weise. Denn wir selbst haben uns verändert. Wir haben Freude erlebt oder Ab- schied genommen. Vielleicht liegt ein Neuanfang hinter uns oder eine Zeit der Sorge. Dasselbe Wort fällt auf einen anderen Boden und beginnt, Frucht zu tragen.
So ist es auch mit einem Lied, das wir lieben. Warum hören wir es immer wieder? Warum singen wir ein Lied, das unser Herz berührt, nicht nur ein einziges Mal? Weil es jedes Mal anders in uns zum Klingen kommt. Das Lied ist dasselbe – aber wir sind nicht mehr dieselben Menschen.
Manche schauen ihren Lieblingsfilm immer wieder und entdecken jedes Mal etwas Neues. Andere sagen: „Wie langweilig – ich kenne ihn doch schon.“ Vielleicht liegt der Unter- schied darin, ob wir nur wiedererkennen oder ob wir bereit sind, wirklich hinzuhören.
Manchmal stelle ich mir unser Leben wie eine Spirale vor. Mit jeder Windung sammeln wir Erfahrungen. Wir werden älter, verletzlicher vielleicht – oder dankbarer. Darum spricht Gottes Wort immer wieder anders zu uns.
Wir kehren zu denselben Hoffnungs- worten zurück. Doch wir kehren niemals als dieselben Menschen zurück. Nicht weil Gott sich verändert hätte, sondern weil wir uns verändert haben.
Vielleicht ist das eines der schönsten Geheimnisse unseres Glaubens: Gott wird nicht müde. Immer wieder sagt Gott zu uns: „Ich bin bei Dir.“ – „Ich liebe Dich.“ – „Du bist unendlich kost- bar.“
Einmal reicht nicht. Denn Liebe lebt davon, dass sie sich immer wieder schenkt. Vielleicht begegnet uns die- se Liebe im Gottesdienst, in einem Lied, in der Stille oder durch einen Menschen, der uns nahekommt. Und wir entdecken: Dieselben Worte können uns ein Leben lang verwandeln. Einmal reicht nicht!
Mit lieben Grüssen Volker Houba
