Oktober 2026
Loslassen.
Liebe Leserin, lieber Leser
Ein kleines Wort. Und doch gehört es zu den schwersten Dingen im Leben. Wir halten fest an Menschen, an Beziehungen, an Vorstellungen davon, wie unser Leben sein soll. Manchmal halten wir sogar an dem fest, was uns längst nicht mehr guttut. Dabei gehört Loslassen zum Leben. Wer Kraftsport macht, weiss es: Ein Muskel wird nicht stärker, wenn er ständig angespannt bleibt. Er braucht die Pause. Anspannen. Loslassen. Atem holen. Neue Kraft. Auch unsere Seele braucht solche Räume. Nähe und Abstand. Begegnung und Rückzug. Verbundenheit bedeutet nicht, einander ständig festzuhalten. Manchmal müssen wir auch einen Menschen oder eine Beziehung loslassen, weil Leben so nicht mehr möglich ist. Das kann sehr schmerzhaft sein. Und doch kann gerade darin wieder Raum für Leben entstehen. Aber Loslassen ist nicht automatisch Liebe. Die entscheidende Frage lautet: Wohin lasse ich los?

Was geschieht mit dem Menschen, den ich loslasse? Führt dieses Loslassen ins Leben?
Liebe gibt einen Menschen frei, aber sie gibt ihn nicht preis. Manchmal bedeutet Liebe deshalb: festhalten und bleiben. Manchmal bedeutet sie: den eigenen Wunsch loslassen, damit der andere leben kann.
Und dann gibt es das Loslassen für immer.
Den Tod.
Hier werden unsere Hände leer, obwohl unser Herz noch festhalten möchte. Wir können einen Menschen nicht zurückholen. Wir können ihn nur lieben, trauern und Gott anvertrauen. Jesus selbst kennt dieses Loslassen. Am Kreuz sagt er:
„Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände.“
Er gibt sich aus der Hand – aber nicht ins Nichts. Er gibt sich in die Hände Gottes.
Und Ostern ist Gottes Antwort: Das Loslassen führt nicht ins Nichts. Es führt ins Leben.
Vielleicht liegt darin die tiefste Wahrheit:
Loslassen schafft Wahrhaftigkeit. Wenn unsere Hände sich öffnen, müssen wir nicht mehr so tun, als hätten wir alles im Griff. Wir dürfen sagen:
Ich kann das nicht allein. Ich brauche Menschen.
Ich brauche Gott.
Jesus sagt: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“
Darum dürfen wir loslassen, was wir nicht mehr festhalten können, und uns dem anvertrauen, der uns hält. Denn was wir loslassen müssen, fällt nicht aus Gottes Händen. Es fällt ins Leben. Es fällt in die Liebe.
In die Liebe, die Gott selbst ist.
Und seine Hände bleiben offen für uns.
Mit lieben Grüssen
Volker Houba
